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handwritings

 

 

Toni Kleinlercher / Murota Kosai

Die Obdachlosen lesen Nietzsche, kunstraum BERNSTEINER, Vienna, Austria, 2012.


In der Ausstellung sind 20 Kalligrafien von Murota Kosai, einer diplomierten Kalligrafiemeisterin der jüngeren Generation, zusammen mit neuesten Arbeiten Toni Kleinlerchers zu sehen. Ist es in der japanischen Kalligrafie nicht unerheblich, die Individualität in den Dienst der Shodoarbeit zu stellen, was sich in den vorliegenden Arbeiten daran ableiten lässt, dass aufgrund Murota Kosais grandioser Beherrschung verschiedenster Shodotechniken nicht eindeutig zu sagen ist, ob alle 20 Arbeiten von der selben Person stammen, legt man in den westlichen Kunstrichtungen besonderen Wert auf die persönliche Handschrift der KünstlerInnen.

Diesem gegensätzlichen Ansatz der Kunstproduktion verschreibt sich Kleinlerchers Konzeption in seinen handwritings, in denen er seine persönliche Handschrift zu Bildern generiert, die man durchaus auch als Notationssysteme betrachten kann, die dem klassischen Entwurf einer Symboltheorie von Nelson Goodman entsprechen. Das Persönliche, das Private, eben das Handschriftliche, meist in Form von poetischen Sentenzen, wird in einer speziellen Serie dieser Arbeiten konfrontiert mit aktuellen Zeitungsschlagzeilen, die in ihrer Zusammenstellung selbst quasi poetische Konstrukte ergeben, denen jedoch die sozialgesellschaftliche politische Bedeutung dadurch nicht abhanden kommt. Das Relativierende dieser Bedeutungen wird in den Arbeiten dadurch ersichtlich, dass das Handschriftliche, wenn auch nicht klar dechiffrierbar, so doch eindeutig erkennbar, im Vordergrund steht.

Das Video reflected grimaces, das die zurückhaltende, geradezu individualitätsverweigernde Mimik von JapanerInnen thematisiert, ergänzt die Schau.

 

 

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